Mehr Schein als Sein

Die Dienstwagen der deutschen Kirchenoberhäupter imKlima-Check

Zum siebten Mal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) einenBlick unter die Motorhauben der Dienstschlitten deutscher Kirchenvertreter geworfen. Untersucht wurden die Dienstwagen der Erzbischöfe, Bischöfe und der geistlichen Würdenträger in den Leitungsebenen in den insgesamt 47 Kirchenbistümern und Landeskirchen in Deutschland, davon 27 römisch-katholisch, 20 protestantisch. Ebenso betrachtet wurden die Dienstwagen von fünf kirchlichen Hilfsorganisationen.


Erstmals wurden auch bei dieser Umfrage neben der Antriebsart die realen CO2-Emissionen zur Bewertung herangezogen und nicht mehr die Herstellerangaben. Unter Berücksichtigung der realen CO2-Emissionen der Fahrzeuge zeigt sich, dass die 128 untersuchten Pkw im Schnitt nach wie vor deutlich über dem derzeit gültigen EU-Flottengrenzwert von 130 g CO2/km liegen. In der gesamten Flotte halten nur drei Fahrzeuge diesen mit 82, 123 bzw. 130 gCO2/km ein – ein Elektrofahrzeug und zwei Erdgasfahrzeuge.

Die DUH kritisiert, dass bei der Wahl des Dienstwagens insgesamt noch keine Kehrtwende hin zu sauberen und klimafreundlichen Antriebsarten stattfindet. Dadurch, dass die Autohersteller den wahren CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge verschleiern und die Politik diesen Betrug deckt, findet Klimaschutz im Pkw-Bereich weiter nur auf dem Papier statt. Mittlerweile liegt die durchschnittliche Abweichung zwischen Herstellerangaben und realem Verbrauch bei 42 Prozent.

 Barbara Metz

„Gerade die Kirchen tragen eine gesellschaftliche Verantwortung zurBewahrung der Schöpfung und sollten entsprechend auch bei der Wahl ihresDienstwagens eine Vorbildfunktion ausüben. Es ist überaus erschreckend, dassauch in der aktuellen Umfrage noch immer auf Klimakiller gesetzt wird undobendrein noch über die Hälfte der Befragten mit einem Diesel unterwegs ist.Die hochmotorisierten, schweren Diesel sind wahre Spritschlucker und ganz undgar nicht klimafreundlich. Darüber hinaus sind sie bewiesenermaßen auchgesundheitsschädlich. Die Bundesregierung schaut dabei nicht nur tatenlos zu,sondern sorgt dafür, dass der Betrug am Kunden und am Klima unvermindertweitergehen kann. Nur durch CO2-Messungen auf der Straße, wirksameMarktüberwachung und Sanktionen im Betrugsfall kann Abhilfe geschaffen werden“,sagt Barbara Metz, Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin. „PolitischeWillensbekundungen für eine Verkehrswende sind ansonsten nur Schall und Rauch“, so Metz weiter.

Die DUH appelliert an die amtlichen Würdenträger, sich nicht länger von den offiziellen Herstellerangaben blenden zu lassen und stattdessen bei der Wahl ihres Dienstwagens auf saubere, spritsparende, emissionsarme und nicht gesundheitsschädliche Antriebsarten zu setzen. Zur Entscheidungshilfe können sie auf verfügbare Untersuchungen zu Realemissionen unterschiedlicher Antriebezurückgreifen. Die DUH-Umfrage zeigt, dass etwa Erdgasfahrzeuge eine bereitsheute verfügbare klimafreundliche Alternative darstellen.

Auf eine Wiedergabe der Ergebnisse im Einzelnen soll an dieser Stelle verzichtet werden. Ein Hinweis auf den klimaschädlichsten Diesel, einen Audi Q7 3.0 Diesel Plug-In-Hybrid mit einer Leistung von 275 kW und einem realen CO2-Ausstoß von 225 g/km soll jedoch Erwähnung finden. Dieser steht dem Landesbischof derEvangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers Ralf Meister zur Verfügung.



Das vollständige Ranking ist in der Präsentation der DUH nachzulesen       hier

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  • Barbara_Metz: © Steffen Holzmann / DUH
  • DUH Meister: © DUH