Lohnungleichheit hat gesellschaftliche Ursachen

hbs-logoDie ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern kann nach Ansicht der Hans-Böckler-Stiftung nicht damit begründet werden, dass Frauen freiwillig eine schlechtere Bezahlung in Kauf nehmen. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Stiftung weist in einer am Freitag in Düsseldorf vorgelegten Kurzstudie nach, dass auch hinter vermeintlich freiwilligen Entscheidungen eine Form der Diskriminierung stecke.

Das WSI wendet sich damit gegen Aussagen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen unter anderem damit erklärt hatte, dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten und häufiger die Betreuung der Kinder übernehmen.

Derzeit liegt der Unterschied beim durchschnittlichen Bruttostundenlohn, der sogenannte Gender Pay Gap, in Deutschland bei knapp 22 Prozent – einer der höchsten Werte in ganz Europa. Die WSI-Genderforscherin Christina Klenner warnt davor, diese Lücke mit Verweis auf statistische Komponenten „kleinzurechnen“ oder als private Entscheidung abzutun.

Das beseitige nicht die Benachteiligung von Frauen. Auch die vom IW erklärten Differenzen zwischen den Geschlechtern beruhten „zu wesentlichen Teilen auf einer Benachteiligung von Frauen im Betrieb, auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft“, sagte Klenner.

Dass Frauen wesentlich häufiger als Männer in Teilzeit arbeiten und die Erwerbstätigkeit unterbrechen, hänge unter anderem mit traditionellen Vorstellungen von der Arbeitsteilung in Partnerschaften und mit unzureichenden Betreuungsangeboten für Kinder zusammen. Auch der geringe Frauenanteil bei Führungskräften dürfte in der Regel nicht auf freie Entscheidungen zurückzuführen sein, sondern mit der „gläsernen Decke“ in den Unternehmen zusammenhängen, betonte Klenner. Grundsätzlich könne Diskriminierung aber nur im Einzelfall zweifelsfrei nachgewiesen werden. Genau diese Überprüfung solle das geplante Gesetz zur Lohngerechtigkeit ermöglichen.

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Quelle: epd-sozial