Die Pflegeausbildung – mehr und doch weniger

Die Pflegeausbildung in Deutschland verzeichnet einen historischen Höchststand: 2024 begannen rund 59.500 Personen eine Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, was einem Anstieg von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Die Pflegeausbildung erfolgreich beendet haben im Jahr 2024 rund 37.400 Personen. Nur 83 Auszubildende entschieden sich bundesweit für den Abschluss als Altenpfleger:in. Bei über 13.700 Auszubildenden mit der Vertiefung Langzeitpflege entspricht das einer Quote von 0,6 Prozent und insgesamt sogar lediglich 0,2 Prozent aller Pflegeabsolvent:innen. Damit ist die Nachfrage an einer Ausbildung in der Altenpflege so gering wie nie zuvor.

Demnach sind grundsätzlich mehr Pflege-Auszubildende vorhanden, doch immer weniger von ihnen entscheiden sich für die Altenpflege.

Ist ein Ende des Ausbildungsabschluss Altenpfleger:in in Sicht?

Ein neuer Bericht, den das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesfamilienministerium dem Bundestag vorgelegt haben, zeigt unmissverständlich, wie sehr die generalistische Pflegeausbildung den Markt dominiert. Insgesamt schlossen 2023 und 2024 über 72.000 Menschen ihre Pflegeausbildung ab, 99 Prozent von ihnen entschieden sich für den generalistischen Abschluss. Die spezialisierte Altenpflege spielt im Ausbildungsgeschehen praktisch keine Rolle mehr.

Für die Ministerien ist die Schlussfolgerung klar: Die Nachfrage ist zu gering, um den Altenpflegeabschluss dauerhaft im Gesetz zu halten. Der Bericht verweist ausdrücklich auf die gesetzliche Voraussetzung in § 62 Pflegeberufegesetz (PflBG). Wenn demnach der spezialisierte Abschluss von weniger als der Hälfte der Auszubildenden gewählt wird, soll der Gesetzgeber Anpassungen prüfen. Dieser Wert wird bei der Altenpflege weit unterschritten und damit verliert der traditionelle Altenpflegeabschluss seinen einstigen Stellenwert im Ausbildungssystem.

Bevor über eine endgültige Streichung entschieden wird, soll jedoch eine umfassende fachliche Anhörung stattfinden. Länder, Verbände und beteiligte Akteure sollen angehört werden und danach könnte der Bundestag die dazugehörigen Paragrafen des Pflegeberufegesetzes sowie die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung anpassen oder streichen.

Kritik kommt aus der Altenpflege-Branche

Der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa), Bernd Meurer, spricht von einer „Folge verfehlter Ausbildungspolitik“. Die generalistische Ausbildung mit der Wahlmöglichkeit sei „gescheitert“, weil kaum eine Schule überhaupt die Vertiefung Altenpflege anbiete. Meurer erinnert daran, dass die eigenständige Altenpflegeausbildung früher ein „Azubimagnet“ gewesen sei, mit 60 Prozent Zuwachs in zehn Jahren. Ihre Abschaffung habe die Versorgung deutlich geschwächt. Sein Appell: Die Politik müsse über eine parallele Wiedereinführung der eigenständigen Altenpflegeausbildung diskutieren, damit sich wieder mehr Menschen gezielt für die Versorgung älterer Menschen entscheiden können.

Die Bundesgeschäftsführerin des Bundesverbands Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad), Andrea Kapp, kritisiert laut einer Verbandsmitteilung strukturelle Nachteile im Bereich der Altenpflege. Bevor Auszubildende vor die Wahl gestellt würden, ob sie sich spezialisieren möchten, müssten gleiche Chancen für die Altenpflege geschaffen werden. Derzeit gebe die Systematik der generalistischen Pflegeausbildung einseitige Anreize zu Ungunsten der Spezialisierung Altenpflege. Interessierte Auszubildende gingen der Altenpflege verloren, weil die Krankenpflege mit attraktiveren Rahmenbedingungen werbe. Die drohende Streichung der Altenpflege-Ausbildung könnte ernsthafte Folgen haben. Die Altenpflege leide bereits heute unter Fachkräftemangel. Es müsse sichergestellt werden, dass nicht nur genügend Personen eine Fachkraftausbildung in der Pflege beginnen, sondern dass die Auszubildenden auch in ausreichender Anzahl in der Altenpflege tätig werden. Eine Vernachlässigung der speziellen altenpflegerischen Aspekte bei der Ausbildung sei das falsche Signal. Dies gefährde sowohl die Versorgungsqualität als auch die berufliche Identität und Motivation der Beschäftigten, die aus Überzeugung in der Altenpflege tätig werden wollten.

Abschließend ist festzustellen, dass die positive Entwicklung bei der Anzahl der Pflege-Auszubildenen zu begrüßen ist. Im Bereich der Altenpflege ist eine Verschärfung der Personallage spürbar und ein Umdenken könnte positive Veränderungen mit sich bringen.