Die bundesweit größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche muss wegen Finanzierungsproblemen zum 30.06.26 schließen – es entsteht eine Versorgungslücke mit dramatischen Folgen. Von den insgesamt 85 Behandlungsplätzen der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn im Landkreis Oldenburg sollen 60 Reha-Plätze ersatzlos gestrichen werden. Bundesweit stehen dann nur noch rund 30 spezialisierte Plätze für suchterkrankte Kinder und Jugendliche zur Verfügung.
Eine Unterfinanzierung ist die Ursache laut des Trägers
Als Ursache nennt der Träger der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik, die diakonische Leinerstift-Gruppe, eine massive Unterfinanzierung, die es unmöglich mache, den Betrieb kostendeckend und therapeutisch angemessen weiterzuführen. Der Betrieb wird daher zum 30. Juni 2026 eingestellt.
Finanziert wird die Behandlung der jungen Patient:innen über die Deutsche Rentenversicherung. Sie übernimmt die Kosten, weil eine erfolgreiche Behandlung die Grundlage für spätere Erwerbsfähigkeit schaffen kann. Nach Angaben der Klinik liegt der aktuell vereinbarte Tagessatz bei rund 320 Euro pro Patient:in. Um die Behandlung in der erforderlichen Komplexität anbieten zu können, wären etwa 550 Euro notwendig.
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung versucht zwischen der Rentenversicherung und dem Träger zu vermitteln, doch dies gestaltet sich schwierig. Die Deutsche Rentenversicherung erklärt – es sei eine Vergütung vereinbart worden, die den Besonderheiten der Einrichtung und ihren finanziellen Bedarfen entspreche. Warum ein wirtschaftlicher Betrieb dennoch nicht möglich sei, könne nur der Träger selbst beantworten, einen wirklichen Verhandlungsspielraum sehe sie nicht. Das, was die Rentenversicherung aktuell anbietet, sei das einzige Angebot und die Klinik soll entscheiden, ob sie das zukünftig unter den Bedingungen machen können oder nicht.
Dramatische Folgen entstehen durch eine Klinikschließung
Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik ist die bundesweit größte Einrichtung zur Behandlung suchterkrankter Kinder und Jugendlicher nach abgeschlossenem Entzug. Die Klinikschließung verschärft die angespannte Versorgungssituation drastisch. Der Verlust von 60 Behandlungsplätzen kann nicht durch andere Einrichtungen kompensiert werden. Schon jetzt steht nur ein beschränktes Angebot für die Zielgruppe zur Verfügung.
Der Kinder- und Jugendpsychiater Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters, sieht schon seit Jahren eine grundsätzliche Unterversorgung von suchterkrankten Kindern und Jugendlichen. Etwa 90 Prozent derer, die eine Therapie benötigten, würden keine erhalten. Zugleich hätten sich die Krankheitsbilder verändert. Beobachtet werde häufiger ein kombinierter Konsum mehrerer Substanzen wie etwa Alkohol, Cannabis und Medikamente.
Welche dramatischen Folgen fehlende Therapieplätze und die damit einhergehenden langen Wartezeiten haben können zeigt das Beispiel von Bruce. Bruce war ein aufgewecktes Kind, in seiner Jugend kam er in Kontakt mit Drogen, der Konsum wurde immer komplexer. Mit 19 Jahren war er bereit für einen Entzug und bekam auch einen Therapieplatz – allerdings mit einer Wartezeit von fünf Wochen. Innerhalb diesen fünf Wochen verstarb Bruce.
Die Geschichte von Bruce ist kein Einzelfall. Grundsätzlich müsste es mehr Plätze in der Suchttherapie von Kindern und Jugendlichen geben – zukünftig werden jedoch noch weniger!
Und der Bedarf steigt: Rund 200.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von Suchtproblemen betroffen – Tendenz steigend. Nur eine frühzeitige und spezialisierte Intervention kann Kindern und Jugendlichen dabei helfen, wieder Kontrolle und Sinnhaftigkeit für sich zu erlangen.
Eine Petition zur Rettung der Suchtklinik wurde gestartet
> Rettet die größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche – Die Versorgung darf nicht zusammenbrechen!
> Diese Entwicklung ist nicht nur widersprüchlich – sie ist gefährlich.
> Kinder und Jugendliche sind keine „kleinen Erwachsenen“, sie brauchen spezialisierte, altersgerechte Therapieangebote – genau diese verschwinden jetzt.
Mit diesen Schwerpunkten wurde eine Petition zur Rettung der Suchtklinik und zum Ausbau von Behandlungsplätzen gestartet, hier zum Link >> Rettet die größte Suchtklinik!


