„Armutsfalle Pflege“ – steigende Pflegearmut erwartet

Die Pflege in Deutschland wird immer teurer, die pflegerische Versorgung wird zunehmend gefährdet und das Armutsrisiko steigt. Die aktuellen Pläne der Bundesregierung für eine Pflegereform sprechen mehr für eine Verschärfung der angespannten Lage, als dass sie Entlastungen vorsehen. Insbesondere in der ambulanten und stationären Altenpflege drohen personelle und pflegerische Verschlechterung sowie hohe finanzielle Mehrbelastungen.

Bereits in den letzten Jahren sind die massiv gestiegenen Eigenanteile in stationären Pflegeeinrichtungen für immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner zur großen finanziellen Belastung geworden und der Anteil an der Bedürftigen auf unterstützende Sozialhilfeleistungen ist stark angestiegen.

DAK-Studie zur „Armutsfalle Pflege“

Neue Berechnungen des Bremer Gesundheitsökonomen Prof. Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit weisen einen aktuellen Höchstwert von 37 Prozent Sozialhilfequote in Pflegeheimen aus. Laut der Analyse könnte sich die Zahl der Sozialhilfeempfänger in den nächsten neun Jahren um nochmals 15 Prozent auf insgesamt 356.000 Betroffene erhöhen.

Die finanzielle Lage von Pflegeheimbewohnenden wird sich nach Einschätzung von Heinz Rothgang also spürbar verschlechtern, die geplante Streckung der Zuschläge käme faktisch einer Leistungskürzung gleich. Würden die neuen Zuschlagsregelungen unmittelbar in Kraft treten, läge der durchschnittliche Eigenanteil aller Heimbewohnenden laut Gutachten sofort 161 Euro im Monat höher als bisher – unabhängig davon, wie lange jemand bereits im Heim lebt. Nach dem Reformplan würde es zudem viereinhalb Jahre dauern, bis Betroffene die maximale Entlastung in Höhe von 75 Prozent erreichen. Für Personen, die seit Januar dieses Jahres in einem Heim leben, summiert sich die zusätzliche Kostenlast in diesem Zeitraum laut Rothgang auf knapp 20.000 Euro.

Auch die langfristige Perspektive fällt in der Analyse ungünstig aus. Bis zum Jahr 2035 würden sich die Eigenanteile für Heimbewohnende auf monatlich mehr als 4.500 Euro erhöhen. Im Vergleich zur aktuellen Rechtslage entspräche das einem zusätzlichen Kostenzuwachs von 330 Euro pro Monat. Rothgang sieht darin einen Widerspruch zum eigentlichen Auftrag der Pflegeversicherung. Statt die Kosten für Heimbewohnende zu deckeln, würden deren Belastungen durch die Leistungskürzungen weiter steigen. Ein wirksamer Schutz gegen das Armutsrisiko Pflegebedürftigkeit ist so nicht möglich, die Pflegeversicherung führt sich damit „selbst ad absurdum“.

Bereits aktuell hat fast jede zweite Pflegeperson im eigenen Umfeld erlebt, dass durch Pflege das eigene Haus oder ein Großteil der Ersparnisse verloren ging. In der Gesamtbevölkerung berichten 31 Prozent von solchen Erfahrungen, Tendenz steigend.

>> DAK-Studie – „Armutsfalle Pflege“

Geplante Kürzungen gefährden die ambulante pflegerische Versorgung

Der aktuelle Plan der Bundesregierung für die Pflegereform sieht ebenfalls massive Leistungskürzungen mit Einschnitten für die ambulante Pflegeversorgung vor. Insbesondere die Kürzungen beim Entlastungsbeitrag gefährden die häusliche Versorgung stark.

Vorgesehen sind folgende Kürzungen:

– Wegfall in Pflegegrad 1: Der bisherige pauschale Entlastungsbetrag von 131 Euro pro Monat soll für Versicherte in Pflegegrad 1 komplett gestrichen werden.

– Budget-Kürzung in Pflegegrad 2 und 3: Wer neu in Pflegegrad 2 oder 3 eingestuft wird, soll in den ersten drei Monaten nur noch die Hälfte des Entlastungsbudgets erhalten.

– Reduzierter Zugang zu Leistungen: Der Zugang zu den Pflegegraden und Höherstufungen soll erschwert werden.

Eine Pflegereform wird dringend benötigt und befürwortet. Die angekündigten Pläne zur Reform zeigen hingegen vielerlei Mehrbelastungen für Pflegebedürftige auf, anstatt Entlastungen zu bewirken – das Risiko einer Altersarmut durch Pflegebedürftigkeit steigt.