Die Rentenreform und die Arbeitsrealität

Die Bundesregierung ist aktuell dabei das Rentensystem zu reformieren. Die zur Ausarbeitung eingerichtete Rentenkommission hat im Juni diesen Jahres 33 Empfehlungen zur Reformierung bekannt gegeben.

Darunter die Abschaffung des Minijobs sowie den abschlagsfreien Renteneintritt für besonders langjährig Versicherte. Das Renteneintrittsalter soll angehoben werden und Neu-Rentner sollen zusätzliche Abschläge leisten. Diese und die weiteren Empfehlungen sind auf der Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zu finden >> Rentenkommission 2026

Die Realität des alltäglichen Lebens schreibt andere Geschichten. Viele Erwerbstätige arbeiten zusätzlich zu ihrem Hauptjob in einem Minijob um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Die gesetzliche Rente reicht immer weniger zur Deckung der Lebenshaltungskosten nach der Erwerbstätigkeit aus, insbesondere wenn eine Pflegebedürftigkeit mit Einzug in ein Pflegeheim eintritt. In vielen Berufen wie im Baugewerbe, der Gastronomie oder der Pflege ist die Erwerbstätigkeit bis zum gesetzlichen Rentenantritt aus meist körperlichen Gründen nicht zu leisten und bereits aktuell scheiden viele Erwerbstätige frühzeitig aus diesen Berufen aus.

Umfragen und Studien zeigen die realen Situationen und Wünsche der Erwerbstätigen auf.

Erwerbstätige wünschen einen frühen Rentenantritt

Für den DAK-Gesundheitsreport 2026 befragte das IGES Institut rund 7.000 Beschäftigte. Ebenfalls wurde hierzu der Krankenstand aller DAK-versicherten Beschäftigten analysiert und ausgewertet, insbesondere wurde der Fokus auf die Beschäftigten ab Mitte 50 Jahren gelegt.

Das Ergebnis ist eindeutig > Mehr als die Hälfte der Beschäftigten ab 50 Jahren will früher in Rente gehen. Bei denjenigen, die ihre Gesundheit als weniger gut beschreiben, sind es sogar 60 Prozent.

Diese Beschäftigten sind seltener, aber im Schnitt länger krankgeschrieben. Ab Mitte 50 ist eine Dynamik zu erkennen und es kommen auffällig viele Fehlzeiten dazu. Im Alter von 66 Jahren liegt der Krankenstand der Beschäftigten im Schnitt bei 11 Prozent.

Erwerbstätige möchten nicht über den Rentenantritt hinaus arbeiten

Für die XING-Wechselwilligkeitsstudie 2026, zur Frage nach der Willigkeit zur Erwerbstätigkeit nach dem Rentenantritt, wurden durch das Meinungsforschungsinstitut forsa 3.418 abhängig Beschäftigte ab 18 Jahren in Deutschland befragt.  

Auch dies Ergebnis ist eindeutig > Mehr als 50 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wollen nicht länger arbeiten als nötig, 33 Prozent wollen sogar noch vor dem regulären Rentenantritt aufhören.

Bei der befragten Baby-Boomer-Generation (Geburtsjahre 1946 bis 1964) geben 43 Prozent an, dass sie es sich „eher nicht vorstellen können“, nach Erreichen des Renteneintrittsalters weiterzuarbeiten, 14 Prozent hiervon wollen „auf gar keinen Fall“ darüber hinaus arbeiten. 52 Prozent der Befragten stehen einer Weiterbeschäftigung grundsätzlich positiv gegenüber, wovon 20 Prozent „auf jeden Fall“ und 32 Prozent „wahrscheinlich“ im Arbeitsleben bleiben wollen. 

Bei den Befragten aus der Generation X (Geburtsjahre 1965-1980) hingegen kommt ein Weiterarbeiten über das reguläre Rentenalter hinaus am wenigsten in Frage. 56 Prozent stehen dem negativ gegenüber, hiervon schließen 36 Prozent dies „eher“ und 20 Prozent „klar„ aus. 

Zusammengefasst zeigt sich, dass die Arbeitsrealität und Wünsche der Erwerbstätigen gegensätzlich zu den aktuellen Empfehlungen zur Rentenreform stehen. Ein längeres Arbeiten in der Bevölkerung nicht befürwortet wird und die gesundheitlichen Folgen nicht bedacht werden.