Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat mit Hilfe des Forschungsinstituts modus|zad im Zeitraum von November 2025 bis Januar 2026 eine Bedarfs- und Umfeldanalyse zur Bedrohungslage von Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden in der Wohlfahrtspflege durchgeführt.
Ziel war es zu erfassen, wie häufig Mitarbeitende von Anfeindungen betroffen sind, welche Unterstützung sie in solchen Fällen bereits nutzen und welche Bedarfe noch bestehen.
Das Ergebnis ist eindeutig – Rund 43 Prozent der Befragten waren bereits von Bedrohungen und Anfeindungen betroffen, dies sind 4 von 10 Mitarbeitenden.
Die Anfeindungen reichen dabei von Beleidigungen und digitaler Hetze bis hin zu Bedrohungen und körperlichen Übergriffen. Besonders betroffen sind Arbeitsfelder wie Migration und Integration, Demokratieförderung, Geschlechtergerechtigkeit und soziale Sicherung.
Bedrohungen sind keine einmaligen Ereignisse, sondern häufig Wiederholungen
Die aktuelle Studie basiert auf den Erfahrungen von Mitarbeitenden und Engagierten aus DRK, AWO und dem Paritätischen Gesamtverband. Für diese breit aufgestellte Studie zur Bedrohungslage, sowohl im Arbeitsalltag als auch im digitalen Raum, wurden insgesamt 6.596 Teilnehmenden aus dem gesamten Bundesgebiet befragt.
Bei den Anfeindungen und Bedrohungen sind Wiederholungen charakteristisch, es handelt sich nicht um einmalige Erlebnisse, sondern um wiederkehrende Situationen.
Mehr als die Hälfte der Betroffenen benennt dabei Patient:innen und Klient:innen als Ausübende von Anfeindungen, vor Angehörigen und Außenstehenden.
Verbale Anfeindungen wie Beschimpfungen, Anschreien und Drohungen sind mit 36,8 Prozent die häufigste Form, gefolgt von körperlichen Übergriffen (16,2 Prozent), Vandalismus (12,4 Prozent), schriftlichen (12,2 Prozent) und digitalen Anfeindungen (8,5 Prozent).
Berufsgruppen in den Bereichen Diversität (58,4 Prozent), Frauenarbeit (55,7 Prozent), politische Bildung (49,0 Prozent), Migration und Flucht (48,5 Prozent), Selbsthilfe (47,4 Prozent) sowie der Pflege (46,8 Prozent) sind am stärksten betroffen. Jedoch wird übergreifend aus allen Berufsfeldern der Wohlfahrtspflege von Anfeindungen und Bedrohungen berichtet.
Die Häufigkeit der Anfeindungen unterscheidet sich kaum zwischen städtischem und ländlichem Räumen. Hauptamtliche Mitarbeitende erfahren mehr Anfeindungen als Ehrenamtliche.
Betroffene benötigt Unterstützung
Die Betroffenen benötigen Unterstützung, um die Auswirkungen der Anfeindungen und Bedrohungen zu verarbeiten.
Die Studie zeigt auf, dass Unterstützungsstrukturen zwar teilweise vorhanden sind, 42,2 Prozent der Befragten diese aber nur selten nutzen. Als Hürden werden Unklarheiten über Inhalt oder Ablauf (35,7 Prozent), zeitliche Barrieren (31,4 Prozent), mangelnde Verfügbarkeit und Angst vor Stigmatisierung genannt. Die Studie diagnostiziert eine „Passungslücke“ zwischen bestehenden Angeboten und tatsächlicher Erreichbarkeit in akuten Krisensituationen.
Betroffene wünschen sich vor allem Sicherheits- und Schutzmaßnahmen (45,3 Prozent), praxisnahe Schulungen (40,0 Prozent) und rechtliche Beratung (34,9 Prozent).
Die Studie spricht folgende Handlungsempfehlungen aus:
– Vorhandene Unterstützungsangebote bündeln und sichtbar machen für Mitarbeitende
– Träger- und einrichtungsspezifische Schutz- und Handlungskonzepte aufsetzen bzw. vorhandene konkretisieren
– Die Entwicklung von Notfallleitfäden sowie der Festlegung von internen Melde- und Entscheidungswegen
– Auf die typische Belastungslage ausgerichtete Qualifikationen und Schulungen für Mitarbeitende
– Psychologische Betreuung für die Betroffenen
– Rückhalt durch die Leitungsebene und Organisation schaffen
– Die Erstellung digitaler Schutzkonzepte und die Aufklärung über die vorhandenen Rechte.
– Den Aufbau von regionalen Netzwerken und Kooperationsstrukturen
Die Mitarbeitendenvertretung ist bei Umsetzungen dieser Art im Betrieb zu beteiligen. Auch kann sie initiativ, im Rahmen des Gesundheits- und Arbeitsschutzes, Maßnahmen anregen.
Weitere Informationen zur Studie >> Bericht zur Bedrohungslage von Mitarbeitenden



